Freie Waldorfschule Oosterwold
Almere, NL
9grad architektur hat für die Stiftung Vrijeschool Almere ein neues Schulgebäude im städtischen Landwirtschaftsviertel Oosterwold entworfen. Der Neubau umfasst eine zweizügige Schule mit zwölf Klassen, vier Kindergartenklassen und einem Saal im Herzen des Gebäudes. Die Schule ist Teil eines Ensembles aus Schulgebäuden und Sporthallen, das zusammen die Maßstäblichkeit und Ausstrahlung eines Bauernhofs erhält. So entsteht ein Ort, an dem Innen- und Außenwelt für Kinder zusammenkommen.
Schulgebäude als Hof
Oosterwold ist ein grünes, landwirtschaftlich geprägtes Gebiet zwischen Almere und Zeewolde, in dem urbane Landwirtschaft und Ökologie den Ton angeben. Das Viertel trägt zur Lebensmittelproduktion, zur Entwicklung von Natur und zu sozialer Verbindung bei – Felder, Gemüsegärten, Spielplätze, sowie Flächen zum Aneignen sind integraler Bestandteil des Plans.
Die Freie Waldorfschule Oosterwold teilt sich zusammen mit der benachbarten öffentlichen Grundschule ein sechs Hektar großes Grundstück, von dem ein großer Teil für urbane Landwirtschaft vorgesehen ist. Kinder können sich draußen bewegen, lernen und im Schulgarten arbeiten. Neben den Schulen entsteht eine gemeinsam genutzte Sporthalle nach einem Entwurf von Maas Kristinsson Architecten. Beide Schulen und die Sporthalle sind wie Gebäude auf einer landwirtschaftlichen Hofanlage angeordnet, rund um einen gemeinsamen zentralen Platz mit Sport- und Spielelementen. In der Freien Waldorfschule Oosterwold ist die Beziehung zwischen Innen- und Außenraum ein wesentlicher Bestandteil des Unterrichts; so hat jede Klasse im Erdgeschoss eine Erschließung nach draußen.
Der Saal als Herz
Der Haupteingang ist einladend und skulptural gestaltet und bietet durch die große Glasfront einen Blick auf den zentral gelegenen Saal. Der doppelt hohe Saal bildet das gemeinschaftliche Herz des Gebäudes. Hier finden gemeinsame Wochenanfänge und Jahresfeste statt; dank einer Bühne eignet sich der Raum auch für Musik, Bewegungserziehung und Theateraufführungen. An der Vorderseite markiert eine skulpturale doppelte Holzsäule den Übergang zwischen außen und innen. Die Säule ist ein zentraler Punkt im Gebäude – in ihrem Sockel ist der Grundstein der Waldorfschule eingelassen.

Symmetrischer Aufbau für zwei Schulzüge
Das Gebäude besitzt eine klare räumliche Struktur, in der die pädagogische Vision in eine selbstverständliche räumliche Organisation übersetzt wurde. Die beiden Schulzüge sind symmetrisch im Gebäude angeordnet. Die Kindergartenkinder beginnen ihre Schulzeit auf der Gartenseite, in großen Klassenräumen mit einem geschützten und umhüllenden Charakter. Von den Klassenräumen aus ist der Zugang zur grünen Umgebung direkt möglich.
Nach der 1. und 2. Klasse im Erdgeschoss wachsen die beiden Schulzüge ab der 3. Klasse im Obergeschoss zunehmend aufeinander zu; im Zentrum sind die beiden sechsten Klassen um eine gemeinsame Bibliothek gruppiert. In der Freien Waldorfschule Oosterwold begleitet die Lehrkraft die Schülerinnen und Schüler durch ihre Schulzeit – gemeinsam durchlaufen sie das Gebäude wie eine Reise.
Die Architektur des Gebäudes folgt diesem Zyklus: von den geschützten Kindergartenräumen mit warmen Farben auf der Rückseite über die unteren Klassen im Erdgeschoss bis zu den helleren und höheren Klassenräumen im Obergeschoss, in denen Raum für individuelle Entwicklung entsteht.
Auch die Farbgestaltung folgt der Logik der Schulzüge und der damit verbundenen Entwicklung des Kindes: Im Erdgeschoss schaffen wärmere rötliche Farbtöne Geborgenheit und Schutz für die jüngsten Kinder. Diese Farbtöne wandeln sich in den oberen Klassen zu „kühleren“ bläulichen Tönen, die abstrakteres und individuelleres Denken unterstützen.
Die Malerarbeiten werden mit Lehmfarbe ausgeführt, einem natürlichen, erdverbundenen Produkt, das auf den Kontext verweist: ein Schulgebäude, das sich mit seiner Umgebung der urbanen Landwirtschaft verbindet.
Zirkuläre und ökologische Materialien
Im skulpturalen Gebäude der Freien Waldorfschule Oosterwold werden viele zirkuläre und ökologische Materialien verwendet. Die Tragkonstruktion besteht aus einem hybriden Holz-Stahl-Skelett; die Holzkonstruktion ist in den Innenräumen sichtbar gestaltet. Die Fassade hat eine natürliche Ausstrahlung und verbindet sich mit der Umgebung: Ein steinartiger, robuster Sockel trägt ein Obergeschoss aus Fichtenholz, das sensibel mit fein ausgearbeiteten Holzfassadenelementen detailliert ist. Unbehandelte, veredelte Holzfensterrahmen verbinden die Materialien von Sockel und Fassade.
9grad architektur ist auch für das Innenraumkonzept verantwortlich. Der zusammenhängende und natürliche Charakter setzt sich im Innenraum fort: Lehmfarbe, Holzinnenrahmen, Bambusinnentüren, -treppen und -oberflächen, Lattendecken aus Fichtenholz sowie Cellulose-Spritzputzdecken sind ökologische Materialien, die im Innenraum des Gebäudes wiederkehren und so den natürlichen Charakter der Schule unterstützen.
In Zusammenarbeit mit der Gemeinde Almere werden außerdem Leuchten aus älteren Schulgebäuden „geerntet“, überarbeitet und zu neuem Leben erweckt.
Status: im Entwurf, 2023–2027
Ort: Almere, NL
Auftraggeber: Gemeinde Almere
Bruttogeschossfläche: 2.400 m²





